2014-04-23

MCP Rückruf

Sehr überrascht erreichte mich kurz vor Ostern die Meldung der Arzneimittelkommission über den Rückruf von MCP. 
   „Das BfArM hat den Widerruf der Zulassungen von bestimmten Metoclopramid-haltigen Arzneimitteln angeordnet. Weiterhin wurden die zugelassenen Anwendungsgebiete eingeschränkt und die Warnhinweise angepasst. Das BfArM setzt damit die im letzten Jahr von der EMA empfohlenen Massnahmen zur Risikominimierung für Metoclopramid-haltige Arzneimittel um. Die AMK hatte hierzu berichtet (siehe auch Aktuelle Info vom 06.08.2013 oder Pharm. Ztg. Nr. 32 vom 8. August 2013, Seite79). Vom Zulassungswiderruf betroffen sind: - flüssige Formulierungen zur oralen Anwendung in einer Konzentration von mehr als 1 mg/ml - parenterale Zubereitungen in einer Konzentration von mehr als 5 mg/ml und - rektale Formulierungen mit einer Einzeldosis von 20 mg. In Deutschland betrifft der Zulassungswiderruf überwiegend die Tropfenzubereitungen. Diese sind ab sofort nicht mehr verkehrsfähig….“ Alternativ stehen daher beispielsweise je nach Indikation und Anwendung noch MCP-haltige Tabletten und Zäpfchen in zulässiger Einzeldosis, Domperidon-haltige Präparate (Achtung, auch hier gibt es Indikationseinschränkungen), Ondansetron-haltige Arzneimittel und Diphenydramin-haltige Arzneimittel zur Verfügung.

Metoclopramid ist ein Arzneistoff, der die Magenentleerung beschleunigt und damit Übelkeit und Erbrechen lindert. Es ist ein Dopamin-Antagonist, der auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann. Das ist einerseits für die Wirkung (Dopamin kann Erbrechen auslösen) als auch für die möglichen neurologischen Nebenwirkungen wichtig. Das ist auch der Grund, warum das rezeptpflichtig ist. 

Die Problematik bei der ganzen Geschichte ist, dass sehr viele Patienten auf MCP eingestellt sind und der Rückruf jetzt eine ziemlich große Lücke in die Versorgung reißt. Da sich der Rückruf hauptsächlich auf Tropfen bezieht, blieben als alternative immer noch Tabletten oder Zäpfchen.

Andere Alternativen wären z.B. Domperidon, Ondansetron, Diphenhydramin

Ich bin wirklich mal auf das Chaos der nächsten Wochen gespannt, das dieser Rückruf hinterlässt. Ich finde die allgemeinen Lieferfähigkeiten anderer Arzneimittel, durch dauernd wechselnde Rabattverträge, unzuverlässige Zulieferer durch kostengünstigere Produktionen usw. im Moment schon sehr grenzwertig. Die Qualität der deutschen Arzneimittelversorgung hat in meinen Augen darunter sehr gelitten. Solche völlig übereilten Kurzschlüsse machen die Lage nicht gerade besser.